Warum schlaue Reisende im Januar nach Matera fahren und dabei die Hälfte sparen während alle anderen frieren

Während die meisten Reisenden im Januar die überlaufenen Skipisten ansteuern oder sich in überteuerten Wellnesshotels verschanzen, bietet sich eine völlig unterschätzte Alternative an: Matera in der süditalienischen Region Basilikata. Die Stadt der Sassi, jener legendären Höhlenwohnungen, die sich an steile Felswände schmiegen, entfaltet gerade im Januar ihren ganz besonderen Charme. Die Touristenmassen bleiben aus, die Preise purzeln, und man erlebt diese außergewöhnliche UNESCO-Welterbestätte in einer Authentizität, die im Sommer schlichtweg unmöglich ist. Wer etwas Zeit mitbringt und das langsame Reisen schätzt, wird hier eine der faszinierendsten Kulturlandschaften Europas entdecken – ohne das Portemonnaie über Gebühr zu strapazieren.

Warum Matera im Januar eine kluge Wahl ist

Der Januar mag auf den ersten Blick nicht nach der perfekten Reisezeit für Süditalien klingen, doch genau das macht ihn so reizvoll. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber meist zwischen 8 und 13 Grad – ideal für ausgedehnte Erkundungstouren durch die verwinkelten Gassen, ohne ins Schwitzen zu geraten. Die klare Winterluft sorgt für brillante Lichtverhältnisse, die Fotografen ins Schwärmen bringen. Und während im Sommer die Hitze zwischen den hellen Tuffsteinmauern unerträglich werden kann, herrscht jetzt eine angenehme Kühle, die zum stundenlangen Flanieren einlädt.

Die Nebensaison bedeutet auch, dass sich Unterkünfte in den restaurierten Höhlenwohnungen zu einem Bruchteil der Hochsaisonpreise buchen lassen. Für 40 bis 60 Euro pro Nacht findet man charmante Quartiere mit allem Komfort, die im Sommer das Doppelte oder Dreifache kosten würden. Die lokale Gastronomie zeigt sich entspannter, und man kommt leichter mit den Einheimischen ins Gespräch – ein unschätzbarer Vorteil für alle, die eine Destination wirklich verstehen möchten.

Die Sassi: Eine Zeitreise in die Vergangenheit

Das Herzstück Materas bilden die Sassi, zwei historische Stadtteile namens Sasso Caveoso und Sasso Barisano, die sich terrassenförmig in eine Schlucht des Gravina-Flusses schmiegen. Diese prähistorischen Höhlensiedlungen gehören zu den ältesten kontinuierlich bewohnten Orten der Welt. Was man hier erlebt, ist keine museale Kulisse, sondern gelebte Geschichte. Die steinernen Wohnungen, Kirchen und Zisternen wurden direkt in den weichen Tuffstein gemeißelt und bilden ein Labyrinth aus Treppen, Durchgängen und versteckten Plätzen.

Der Eintritt in die historischen Viertel ist kostenfrei – man kann stundenlang durch die Gassen streifen, ohne einen Cent auszugeben. Einige der bedeutendsten Felsenkirchen verlangen moderate Eintrittspreise zwischen 3 und 5 Euro, wobei sich besonders die reich freskierten Gotteshäuser lohnen. Die kunstvollen Wandmalereien aus byzantinischer Zeit erzählen Geschichten aus einer Epoche, als Matera ein wichtiges religiöses Zentrum war. Wer sich Zeit nimmt und die Details studiert, versteht, warum diese Stadt zum Drehort für zahlreiche historische Filme wurde.

Praktische Fortbewegung für entspanntes Reisen

Matera ist kompakt genug, um alles zu Fuß zu erkunden, was den Geldbeutel schont und gleichzeitig die intensivste Art darstellt, die Stadt zu erleben. Vom modernen Zentrum erreicht man die Sassi in etwa 10 bis 15 Minuten zu Fuß. Allerdings sollte man gutes Schuhwerk mitbringen – die steilen, oft unebenen Wege aus poliertem Stein können besonders bei Nässe rutschig werden.

Wer Matera als Ausgangspunkt für weitere Erkundungen nutzen möchte, findet ein gut funktionierendes lokales Bussystem vor. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind erschwinglich, eine Einzelfahrt kostet etwa 1,50 Euro. Busse verbinden Matera mit den umliegenden Dörfern und Naturparks, wobei die Fahrpläne im Januar allerdings reduziert sein können. Ein bisschen Flexibilität und Geduld gehört dazu, aber genau das macht den Charme des langsamen Reisens aus.

Für Ausflüge in die weitere Umgebung empfiehlt sich die Regionalbahnverbindung nach Bari an der Adriaküste. Die Fahrt dauert etwa anderthalb Stunden und kostet rund 5 Euro – ein lohnenswerter Tagesausflug, um die Kontraste zwischen dem historischen Binnenland und der lebhaften Hafenstadt zu erleben.

Kulinarische Entdeckungen ohne Luxuspreise

Die Küche der Basilikata ist bodenständig, herzhaft und erfreulich günstig. Im Januar dominieren Eintöpfe, hausgemachte Pasta und kräftige Fleischgerichte die Speisekarten – ideale Winterkost nach einem Tag voller Entdeckungen. In den kleinen Trattorien abseits der Hauptrouten zahlt man für ein komplettes Menü zwischen 15 und 25 Euro, inklusive regionalem Wein, der hier noch zum fairen Preis ausgeschenkt wird.

Besonders empfehlenswert sind die lokalen Bäckereien, in denen man morgens frisches Brot aus Hartweizen, gefüllte Focaccia oder die typischen Taralli für wenige Euro bekommt. Kombiniert mit lokalem Käse und Aufschnitt vom Markt ergibt das ein perfektes Picknick für zwischendurch. Der Wochenmarkt findet samstags statt und bietet einen authentischen Einblick in die Esskultur der Region – hier kaufen die Einheimischen ein, und die Preise sind entsprechend fair.

Wer Lust auf Selbstversorgung hat, findet in den zahlreichen kleinen Lebensmittelgeschäften alles Nötige. Eine Flasche ordentlicher regionaler Rotwein kostet im Supermarkt ab 4 Euro, frisches Gemüse ist spottbillig, und die lokalen Pasta-Spezialitäten wie Orecchiette oder Cavatelli bekommt man teilweise noch handgemacht bei kleinen Produzenten.

Unterkunft in historischem Ambiente

Das Übernachten in einer restaurierten Höhlenwohnung gehört zum Matera-Erlebnis unbedingt dazu. Im Januar findet man hervorragende Angebote, wobei die Preise deutlich unter denen der Sommermonate liegen. Viele dieser Unterkünfte verfügen über moderne Annehmlichkeiten wie Heizung und WLAN, bewahren aber den ursprünglichen Charakter mit Steinwänden, gewölbten Decken und historischen Details.

Wer besonders sparsam reisen möchte, findet auch einfache Pensionen im neueren Teil der Stadt ab etwa 35 Euro pro Nacht. Von dort ist es nur ein kurzer Spaziergang zu den Sassi. Die Gastgeber sind oft außerordentlich hilfsbereit und geben wertvolle Tipps für Restaurants und Sehenswürdigkeiten, die nicht in jedem Reiseführer stehen.

Verborgene Schätze und unerwartete Erlebnisse

Neben den offensichtlichen Attraktionen lohnt es sich, etwas Zeit für die weniger frequentierten Ecken Materas einzuplanen. Der Parco della Murgia Materana auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht bietet spektakuläre Ausblicke auf die Sassi und beherbergt über 150 Felsenkirchen, von denen viele frei zugänglich sind. Die Wanderwege sind gut markiert, und an klaren Januartagen reicht der Blick bis weit ins Landesinnere.

Die Zisternen und unterirdischen Wassersysteme der Stadt erzählen von der ingenieurtechnischen Meisterleistung früherer Generationen. Einige dieser Anlagen können gegen einen kleinen Eintrittsbeitrag von etwa 3 Euro besichtigt werden und bieten faszinierende Einblicke in das ausgeklügelte System der Wasserversorgung, das über Jahrtausende funktionierte.

Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, findet in Matera eine überraschend lebendige Szene. Verschiedene Galerien und Ateliers haben sich in den alten Höhlen eingerichtet und präsentieren moderne Kunst im historischen Kontext – der Eintritt ist meist frei, und die Künstler selbst sind oft anwesend und erzählen gerne von ihrer Arbeit.

Zeitloses Reisen jenseits des Mainstreams

Matera im Januar anzusteuern bedeutet, bewusst einen anderen Weg zu gehen. Man trifft hier auf Gleichgesinnte, die das Authentische dem Inszenierten vorziehen und sich Zeit nehmen, Orte wirklich zu verstehen. Die Stadt verlangt keine spektakulären Aktivitäten oder teuren Eintrittskarten – ihr größter Schatz ist die Atmosphäre selbst, das Gefühl, durch jahrtausendealte Geschichte zu wandern, die noch immer lebendig ist.

Die Kombination aus kultureller Tiefe, erschwinglichen Preisen und der Abwesenheit von Menschenmassen macht Matera zu einem idealen Ziel für alle, die über ausreichend Reiseerfahrung verfügen, um zu schätzen, wenn ein Ort sein wahres Gesicht zeigt. Hier braucht es keine ausgefeilten Unterhaltungsprogramme – die Stadt selbst ist das Programm, und jede Gasse erzählt ihre eigene Geschichte.

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