Kinderriegel im Supermarkt: Diese Zucker-Wahrheit verschweigen die bunten Verpackungen vor Ihren Kindern

Kinderriegel stapeln sich in den Supermarktregalen, versehen mit bunten Verpackungen, fröhlichen Figuren und Versprechen, die Eltern aufhorchen lassen: „Mit Vollkorn“, „Reich an Vitaminen“, „Ideal für die Pausenbox“. Doch hinter diesen verlockenden Aussagen verbirgt sich häufig eine ernüchternde Realität, die erst beim genauen Blick auf die Nährwerttabelle sichtbar wird. Was als gesunder Snack für Zwischendurch angepriesen wird, entpuppt sich nicht selten als Zucker- und Fettbombe in handlichem Format.

Warum die Vorderseite der Verpackung täuscht

Die Produktgestaltung bei Snacks für Kinder folgt bewährten Marketingstrategien. Große, bunte Schriftzüge lenken die Aufmerksamkeit gezielt auf einzelne positive Inhaltsstoffe. Ein Hauch von Vollkornmehl, eine Prise zugesetzter Vitamine oder der Hinweis auf Kalzium genügen bereits, um den Eindruck eines wertvollen Lebensmittels zu erwecken. Problematisch wird es, wenn diese Hervorhebungen die tatsächliche Zusammensetzung verschleiern.

Ein klassisches Beispiel: Ein Riegel wirbt prominent mit „5 Vitaminen“, verschweigt aber, dass gleichzeitig über die Hälfte des Gewichts aus Zucker bestehen kann. Manche beliebte Kinderriegel bringen es auf über 53 Gramm Zucker pro 100 Gramm Produkt. Solche Werbeaussagen sind rechtlich zulässig, wenn die entsprechenden Mindestmengen an Vitaminen enthalten sind – unabhängig davon, wie hoch der Anteil unerwünschter Inhaltsstoffe ausfällt.

Die Nährwerttabelle richtig entschlüsseln

Die Nährwerttabelle auf der Rückseite liefert die tatsächlichen Fakten. Hier zeigt sich, welche Mengen an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz in 100 Gramm des Produkts stecken. Bei Riegeln findet sich häufig zusätzlich eine Spalte mit den Werten pro Riegel – und genau hier beginnt die Verwirrung.

Der Trick mit den Portionsangaben

Viele Hersteller geben die Nährwerte pro Riegel an, wobei diese Riegel mitunter nur 12 bis 21 Gramm wiegen. Die absolute Zahl erscheint dann harmlos: 6 bis 11 Gramm Zucker klingen überschaubar. Umgerechnet auf 100 Gramm zeigt sich jedoch das wahre Ausmaß: Bei manchen Produkten besteht über die Hälfte des gesamten Riegels aus Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal 25-30 Gramm freien Zucker pro Tag für Kinder je nach Alter. Ein einziger Riegel kann diese Menge bereits zu mehr als einem Drittel ausschöpfen.

Zucker erkennen in all seinen Formen

In der Zutatenliste tarnt sich Zucker hinter zahlreichen Bezeichnungen. Glukosesirup, Fruktose, Maltodextrin, Invertzuckersirup, Gerstenmalzextrakt oder Traubensüße – all diese Begriffe stehen für verschiedene Zuckerarten. Entscheidend ist: Sie alle liefern leere Kalorien ohne nennenswerte Nährstoffe und belasten den kindlichen Stoffwechsel.

Besonders tückisch sind Riegel mit Trockenfrüchten. Diese werden gerne als natürliche Süßungsquelle hervorgehoben, erhöhen aber dennoch massiv den Gesamtzuckergehalt. In der Nährwerttabelle wird nicht zwischen zugesetztem Zucker und natürlichem Fruchtzucker unterschieden – beide erscheinen unter der Position „davon Zucker“. Ein Blick in die Zutatenliste offenbart dann, ob neben Trockenfrüchten zusätzlich Sirupe oder Kristallzucker zugefügt wurden.

Fettfallen erkennen und bewerten

Nicht nur Zucker, auch der Fettgehalt verdient Beachtung. Fett ist grundsätzlich ein wichtiger Nährstoff für Kinder, doch die Art des Fetts macht den Unterschied. Die Nährwerttabelle schlüsselt auf, wie viel des Gesamtfetts aus gesättigten Fettsäuren besteht.

Gesättigte Fettsäuren im Fokus

Riegel mit Schokoladenüberzug, Joghurtkonfekt oder Keksbestandteilen enthalten häufig hohe Mengen gesättigter Fettsäuren. Diese stammen oft aus Palmfett oder anderen gehärteten Fetten, die in der industriellen Lebensmittelproduktion wegen ihrer Stabilität und günstigen Kosten beliebt sind. Ein Standardriegel von etwa 21 Gramm kann bereits knapp 5 Gramm gesättigte Fettsäuren enthalten – bei einem empfohlenen Tagesmaximum von etwa 15 bis 20 Gramm für Kinder ein beträchtlicher Anteil für einen vermeintlich kleinen Snack.

Dabei wäre es durchaus möglich, Riegel mit Nüssen, Mandeln oder Samen zu produzieren, die wertvolle ungesättigte Fettsäuren liefern. Solche Varianten sind allerdings seltener und meist teurer.

Worauf Eltern konkret achten sollten

Beim Einkauf von Kinderriegeln hilft eine systematische Prüfung der Nährwertangaben. Diese Richtwerte bieten Orientierung:

  • Zucker: Mehr als 15 Gramm pro 100 Gramm gelten als hoch. Optimal wären Werte unter 10 Gramm, was bei Riegeln jedoch selten erreicht wird. Viele gängige Kinderriegel überschreiten sogar 50 Gramm pro 100 Gramm deutlich.
  • Gesättigte Fettsäuren: Über 5 Gramm pro 100 Gramm sind kritisch zu bewerten. Werte unter 3 Gramm sind wünschenswert. Bei manchen Riegeln liegen die Werte bei über 20 Gramm pro 100 Gramm.
  • Ballaststoffe: Mindestens 3 Gramm pro 100 Gramm sollten enthalten sein, wenn mit Vollkorn geworben wird. Viele Produkte bleiben mit weniger als 1 Gramm deutlich darunter.
  • Salz: Auch in süßen Riegeln versteckt sich oft Salz. Werte um 0,3 Gramm pro 100 Gramm sind typisch, mehr als 0,5 Gramm sind unnötig.

Die Zutatenliste als Wahrheitsprüfer

Die Reihenfolge der Zutaten verrät viel über die tatsächliche Zusammensetzung. Steht Zucker, Glukosesirup oder Schokolade an erster oder zweiter Stelle, bilden diese Zutaten die Hauptmasse des Produkts. Ein Riegel, der mit „Haferflocken“ wirbt, tatsächlich aber Zucker als Hauptzutat auflistet, verdient den Anschein eines gesunden Snacks nicht.

Auch die Länge der Zutatenliste gibt Aufschluss: Je mehr Zusatzstoffe, Aromen und Emulgatoren aufgeführt sind, desto stärker industriell verarbeitet ist das Produkt. Für einen simplen Riegel aus Haferflocken, Nüssen und Trockenfrüchten genügen wenige Zutaten.

Gesündere Alternativen finden

Wirklich empfehlenswerte Kinderriegel existieren durchaus, erfordern aber gezieltes Suchen. Produkte ohne zugesetzten Zucker, die ausschließlich durch Trockenfrüchte gesüßt sind und einen hohen Nussanteil aufweisen, stellen eine bessere Wahl dar. Ihr Zuckergehalt liegt trotzdem häufig bei 20 bis 30 Gramm pro 100 Gramm, stammt aber zumindest aus den Trockenfrüchten selbst und nicht aus raffiniertem Zucker.

Noch besser sind selbstgemachte Alternativen. Aus Haferflocken, Nussmus, zerdrückten Bananen und eventuell etwas Honig lassen sich mit minimalem Aufwand Riegel herstellen, bei denen die Zutaten transparent sind und der Zuckergehalt kontrollierbar bleibt.

Das Problem der Gewöhnung an Süßes

Über die unmittelbaren Nährwertprobleme hinaus prägen zuckerreiche Snacks langfristig die Geschmackspräferenzen. Kinder, die regelmäßig sehr süße Riegel konsumieren, empfinden natürlich süße Lebensmittel wie Obst oft als fade. Diese Gewöhnung erschwert später eine ausgewogene Ernährung erheblich.

Daher ist es sinnvoller, Riegel generell als gelegentliche Ausnahme zu betrachten statt als täglichen Pausensnack. Frisches Obst, Gemüsesticks mit Dip, Vollkornbrot mit Nussmus oder ungesüßte Nussmischungen bieten mehr Nährstoffe bei gleichzeitig geringerem Zucker- und Fettgehalt.

Rechtliche Grauzonen bei Kinderlebensmitteln

Die Werbung für stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel an Kinder bewegt sich in einem rechtlich umstrittenen Bereich. Während einige Länder strenge Regelungen eingeführt haben, sind in Deutschland Selbstverpflichtungen der Industrie weitgehend wirkungslos geblieben. Comicfiguren, Spielzeugbeigaben und kindgerechte Verpackungsgestaltung suggerieren Eltern und Kindern weiterhin, es handle sich um geeignete Produkte für die junge Zielgruppe.

Verbraucherschutzorganisationen fordern seit Jahren strengere Nährwertkriterien für Produkte, die sich an Kinder richten. Bis diese umgesetzt werden, bleibt es an den Eltern, durch kritisches Hinterfragen und genaues Lesen der Nährwerttabellen die Gesundheit ihrer Kinder zu schützen.

Die Fähigkeit, Nährwertangaben richtig zu interpretieren, erfordert Übung und Aufmerksamkeit. Mit jedem bewusst getroffenen Einkauf wächst das Verständnis dafür, was wirklich in den bunt verpackten Riegeln steckt – und welche Produkte den Namen „Kindersnack“ tatsächlich verdienen. Die konkreten Zahlen sprechen dabei eine deutliche Sprache: Wenn über die Hälfte eines Produkts aus Zucker besteht und ein einzelner kleiner Riegel bereits ein Drittel der empfohlenen Tagesmenge an freiem Zucker liefert, bleibt wenig Raum für Beschönigung.

Wie viel Zucker steckt in deinem Kinderriegel?
Keine Ahnung lese nie nach
Unter 15 Gramm pro 100g
Zwischen 15 und 30 Gramm
Über 50 Gramm Zuckerbombe
Ich mache Riegel selbst

Schreibe einen Kommentar