Diese versteckte Falle bei Dosenware kostet Sie bares Geld, doch kaum jemand achtet darauf

Wer regelmäßig Kichererbsen aus der Dose kauft, hat sich vielleicht schon einmal gefragt: Warum steht auf der Verpackung ein Nettogewicht von 400 Gramm, während das Abtropfgewicht nur 240 Gramm beträgt? Diese Differenz von 160 Gramm wirft Fragen auf und lässt manchen Verbraucher irritiert zurück. Tatsächlich handelt es sich hier um eines der häufigsten Missverständnisse beim Einkauf von Konserven – und um ein Thema, das mehr Aufmerksamkeit verdient, als es auf den ersten Blick scheint.

Der Unterschied zwischen Nettogewicht und Abtropfgewicht

Das Nettogewicht bezeichnet den gesamten Inhalt einer Dose inklusive der Flüssigkeit. Bei Hülsenfrüchten wie Kichererbsen setzt sich dieses aus den eigentlichen Bohnen sowie der Aufgussflüssigkeit zusammen – meist eine Mischung aus Wasser, Salz und manchmal auch Antioxidationsmitteln oder anderen Zusatzstoffen. Das Abtropfgewicht gibt die festen Bestandteile an, also wie viel die Kichererbsen wiegen, nachdem die Flüssigkeit vollständig entfernt wurde.

Diese Unterscheidung ist gesetzlich geregelt und dient dem Verbraucherschutz. Die Lebensmittelinformationsverordnung schreibt vor, dass bei Lebensmitteln in Aufgussflüssigkeit beide Gewichtsangaben auf der Verpackung erscheinen müssen. Die Realität im Supermarkt zeigt jedoch: Viele Käufer übersehen das kleingedruckte Abtropfgewicht und orientieren sich primär am auffälligeren Nettogewicht.

Warum die Differenz so groß ausfällt

Bei Kichererbsen in der Dose macht die Flüssigkeit häufig 40 bis 45 Prozent des Gesamtgewichts aus. Das bedeutet: Von einer 400-Gramm-Dose landen tatsächlich nur etwa 240 Gramm essbare Kichererbsen auf dem Teller. Diese Proportion mag übertrieben erscheinen, hat aber praktische Gründe. Die Aufgussflüssigkeit erfüllt mehrere Funktionen: Sie schützt die Hülsenfrüchte während der Lagerung, verhindert das Austrocknen und trägt zur Haltbarkeit bei.

Dennoch lohnt sich ein kritischer Blick. Manche Hersteller nutzen großzügigere Flüssigkeitsmengen, was das Verhältnis zuungunsten der Verbraucher verschiebt. Während ein Produkt vielleicht 240 Gramm Abtropfgewicht bei 400 Gramm Nettogewicht aufweist, bietet ein anderes möglicherweise 265 Gramm bei gleichem Gesamtgewicht. Diese Unterschiede fallen beim schnellen Einkauf kaum auf, summieren sich aber über das Jahr hinweg zu spürbaren Mehrkosten.

Der versteckte Preisunterschied

Die eigentliche Brisanz offenbart sich beim Preisvergleich. Zwei Dosen mit identischem Nettogewicht und ähnlichem Preis können sich im Abtropfgewicht erheblich unterscheiden. Eine Dose kostet beispielsweise 1,29 Euro bei 240 Gramm Abtropfgewicht – das entspricht etwa 5,38 Euro pro Kilogramm essbarer Kichererbsen. Eine andere Dose zum gleichen Preis mit 265 Gramm Abtropfgewicht kostet umgerechnet nur 4,87 Euro pro Kilogramm.

Diese Rechnung verdeutlicht: Wer ausschließlich auf das Nettogewicht oder den Stückpreis achtet, übersieht möglicherweise günstigere Alternativen. Der Grundpreis, der in Supermärkten am Regal ausgewiesen wird, bezieht sich bei Lebensmitteln in Aufgussflüssigkeit auf das Abtropfgewicht. Verbraucher sollten beim Vergleich verschiedener Produkte auf diesen Wert achten, um eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen.

Die Flüssigkeit: Wegschütten oder verwenden?

Viele Verbraucher gießen die Aufgussflüssigkeit aus Dosen direkt in den Abfluss. Dabei kann diese Flüssigkeit durchaus Verwendung finden, insbesondere bei selbst zubereiteten Gerichten. Sie enthält Stärke und Mineralstoffe aus den Hülsenfrüchten und eignet sich zum Andicken von Suppen oder Eintöpfen. Allerdings sollte man bedenken, dass die Flüssigkeit oft einen hohen Salzgehalt aufweist.

Wer auf Natrium achten muss, sollte die Kichererbsen nach dem Abtropfen gründlich mit Wasser abspülen. Diese einfache Maßnahme reduziert den Salzgehalt deutlich. Gleichzeitig entfernt man damit auch eventuell vorhandene Konservierungsstoffe oder Zusatzstoffe, die in der Aufgussflüssigkeit gelöst sind.

Alternativen zur Dose: Ein Blick über den Tellerrand

Angesichts der manchmal ungünstigen Verhältnisse bei Dosenware stellt sich die Frage nach Alternativen. Getrocknete Kichererbsen bieten ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Kilogramm getrocknete Hülsenfrüchte kostet häufig nur einen Bruchteil dessen, was man für die entsprechende Menge in Dosen bezahlen würde. Nach dem Einweichen und Kochen erhält man etwa die zwei- bis dreifache Menge an verzehrfertigen Kichererbsen.

Der Nachteil liegt im Zeitaufwand: Getrocknete Kichererbsen müssen über Nacht einweichen und anschließend gekocht werden. Für spontane Gerichte eignet sich diese Variante daher weniger. Eine praktische Lösung besteht darin, größere Mengen vorzubereiten und portionsweise einzufrieren. So kombiniert man die Kosteneffizienz getrockneter Ware mit der Bequemlichkeit von Fertigprodukten.

Rechtliche Perspektive: Sind die Hersteller transparent genug?

Aus juristischer Sicht erfüllen die meisten Hersteller ihre Kennzeichnungspflicht. Beide Gewichtsangaben stehen auf der Verpackung, sodass Verbraucher theoretisch vollständig informiert sind. In der Praxis jedoch ist die Gestaltung oft problematisch: Das Nettogewicht erscheint groß und prominent auf der Vorderseite, während das Abtropfgewicht klein und unauffällig auf der Rückseite versteckt ist.

Diese Informationsasymmetrie führt dazu, dass viele Käufer unbewusst eine Entscheidung auf unvollständiger Grundlage treffen. Eine transparentere Kennzeichnung – etwa durch prominentere Platzierung des Abtropfgewichts – würde echten Verbraucherschutz bedeuten. Immerhin bezieht sich der am Regal ausgewiesene Grundpreis bereits auf das Abtropfgewicht, was eine Vergleichbarkeit ermöglicht.

Praktische Tipps für den bewussten Einkauf

Bewusstes Einkaufen beginnt mit Aufmerksamkeit. Wer künftig Dosenware kauft, sollte sich angewöhnen, gezielt nach dem Abtropfgewicht zu suchen und dieses als Vergleichsmaßstab zu nutzen. Hier sind einige konkrete Strategien, die beim nächsten Einkauf helfen:

  • Abtropfgewicht vergleichen: Nicht nur das Nettogewicht beachten, sondern verschiedene Produkte anhand des Abtropfgewichts miteinander vergleichen.
  • Grundpreis prüfen: Der am Regal ausgewiesene Grundpreis basiert auf dem Abtropfgewicht und bietet eine verlässliche Orientierung für den Preisvergleich.
  • Packungsgrößen abwägen: Größere Dosen bieten manchmal ein günstigeres Abtropfgewicht-Verhältnis als kleinere Einheiten.
  • Hochwertige Produkte bevorzugen: Diese weisen oft ein besseres Verhältnis von festen Bestandteilen zu Flüssigkeit auf, allerdings ist der genaue Blick aufs Etikett unverzichtbar.

Mit etwas Übung entwickelt man schnell ein Gefühl dafür, welches Verhältnis fair ist und welches nicht. Wer regelmäßig Kichererbsen kauft, erkennt die Unterschiede zwischen den Marken schnell und kann gezielt zu den Produkten greifen, die mehr Inhalt für weniger Geld bieten.

Was man konkret im Alltag umsetzen kann

Das Beispiel der Kichererbsen zeigt exemplarisch, wie wichtig kritisches Hinterfragen beim Lebensmitteleinkauf ist. Die Differenz zwischen dem, was die Verpackung verspricht, und dem, was man tatsächlich erhält, kann erheblich sein. Nicht die Verpackungsgröße oder der absolute Preis sind entscheidend, sondern das, was tatsächlich essbar auf dem Teller landet. Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich diese versteckten Fallen jedoch leicht umgehen – zum Vorteil des eigenen Geldbeutels und für ein besseres Verständnis dessen, was wirklich im Einkaufswagen landet.

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