Während der Großteil Europas im Januar in den teuren Skigebieten der Alpen unterwegs ist, liegt eine der faszinierendsten Städte des Balkans still und geheimnisvoll unter einem Winterhimmel: Veliko Tarnovo in Bulgarien. Die ehemalige Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches erhebt sich dramatisch über dem mäandernden Fluss Jantra und bietet genau die richtige Mischung aus Geschichte, authentischem Stadtleben und günstigen Preisen, die ein Wochenendtrip mit Freunden unvergesslich macht. Der Januar ist tatsächlich einer der besten Zeitpunkte für einen Besuch – die mittelalterlichen Festungsmauern wirken unter einer leichten Schneedecke noch imposanter, die Preise sind niedriger als in der Hochsaison, und die Stadt gehört fast exklusiv euch und den Einheimischen.
Warum Veliko Tarnovo im Januar eine geniale Wahl ist
Zugegeben, die Temperaturen bewegen sich tagsüber um den Gefrierpunkt, doch genau das verleiht dieser Stadt ihren besonderen Charme. Die verschneiten Dächer der traditionellen Häuser, die sich terrassenförmig an den steilen Hängen festklammern, schaffen eine Kulisse wie aus einem historischen Film. Während andere europäische Städte im Januar von Touristen überlaufen oder trostlos leer sind, findet ihr hier das perfekte Gleichgewicht. Die bulgarische Gastfreundschaft zeigt sich gerade in der Nebensaison von ihrer wärmsten Seite, und mit einem Budget, das in Westeuropa kaum für einen Tag reichen würde, könnt ihr hier ein komplettes Wochenende verbringen.
Die Festung Zarewez – Ein Königreich aus Stein
Das Herzstück von Veliko Tarnovo thront majestätisch auf einem von drei Hügeln, die die Stadt prägen. Die mittelalterliche Festungsanlage war einst Sitz der bulgarischen Zaren und zeugt noch heute von einer Zeit, in der Bulgarien eine der mächtigsten Nationen Südosteuropas war. Der Aufstieg zu den Ruinen ist im Januar durchaus anspruchsvoll – die Wege können vereist sein – aber genau diese kleine Herausforderung macht das Erlebnis mit Freunden zu einem echten Abenteuer. Oben angekommen, breitet sich die gesamte Stadt vor euch aus, und die Aussicht über die verschneiten Hügel und den gewundenen Fluss ist spektakulär.
Der Eintritt kostet etwa 6 Euro pro Person, ein Bruchteil dessen, was vergleichbare historische Stätten in Westeuropa verlangen würden. Plant mindestens zwei Stunden für die Erkundung ein, und nehmt warme Getränke mit – die Kälte kann durchdringen, aber die Atmosphäre ist jeden frostigen Moment wert.
Durch die Handwerkergasse Samovodska Charshia schlendern
Wenn eure Zehen vom Festungsbesuch taub sind, führt der Weg hinunter in die historische Handwerkergasse. Hier reihen sich kleine Werkstätten aneinander, in denen lokale Kunsthandwerker nach jahrhundertealten Techniken arbeiten. Im Januar sind diese Läden weniger frequentiert, was bedeutet, dass ihr tatsächlich Zeit habt, mit den Handwerkern zu sprechen und ihre Arbeit zu beobachten. Von handgeschmiedeten Messern über Töpferwaren bis hin zu traditionellen Textilien findet ihr hier Souvenirs, die eine echte Geschichte erzählen – und das zu Preisen, die geradezu lächerlich günstig sind.
In den kleinen Konditoreien der Gasse könnt ihr euch mit typisch bulgarischem Gebäck aufwärmen. Eine Banitsa, ein Blätterteiggebäck mit Käse, kostet um die 1,50 Euro und ist perfekt, um zwischen den Erkundungstouren neue Energie zu tanken.
Fortbewegung für Sparfüchse
Die gute Nachricht: Veliko Tarnovo ist kompakt genug, um die meisten Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erreichen. Die Stadt erstreckt sich zwar über mehrere Hügel, was durchaus schweißtreibend sein kann, aber genau das macht ihren Charakter aus. Festes Schuhwerk mit guter Sohle ist im Januar unerlässlich – die gepflasterten Straßen können rutschig werden.
Für längere Strecken oder wenn ihr die Füße schonen wollt, stehen Busse zur Verfügung. Eine Einzelfahrt kostet weniger als einen Euro, und das Netz verbindet alle wichtigen Punkte der Stadt. Alternativ sind Taxis erstaunlich günstig: Eine Fahrt quer durch die Stadt sollte nicht mehr als 3-4 Euro kosten. Achtet darauf, dass das Taxameter läuft oder vereinbart den Preis vorher – ein freundliches Nachfragen in gebrochenem Englisch oder mit Händen und Füßen funktioniert meist problemlos.
Übernachten ohne das Budget zu sprengen
Hier zeigt sich Veliko Tarnovo von seiner günstigsten Seite. Im Januar findet ihr komfortable Mehrbettzimmer in zentral gelegenen Unterkünften bereits ab 8-12 Euro pro Person und Nacht. Viele dieser Gästehäuser befinden sich in restaurierten traditionellen Häusern mit Holzbalkendecken und authentischem Ambiente – Charakter inklusive, ohne Aufpreis.
Wenn ihr zu viert oder fünft reist, lohnt sich die Buchung einer kleinen Ferienwohnung. Für 40-60 Euro pro Nacht bekommt ihr oft eine vollständig ausgestattete Unterkunft mit Küche, was zusätzliche Sparmöglichkeiten beim Essen eröffnet. Die meisten Gastgeber sind unglaublich hilfsbereit und geben euch Insider-Tipps, die in keinem Reiseführer stehen.

Kulinarische Entdeckungen mit kleinem Budget
Die bulgarische Küche ist herzhaft, wärmend und perfekt für Januartage. In den lokalen Tavernen, die oft in Kellern oder kleinen Gassen versteckt sind, bekommt ihr ein komplettes Abendessen für 8-12 Euro pro Person inklusive Getränken. Probiert unbedingt Kavarma, einen deftigen Fleischeintopf, oder die verschiedenen gegrillten Fleischspezialitäten. Vegetarische Freunde finden in Shopska-Salat, gefüllten Paprika oder Tarator (eine kalte Gurkensuppe, die auch im Winter serviert wird) leckere Optionen.
Ein echter Geheimtipp sind die kleinen Bäckereien, die früh morgens frisch gebackene Brote und Gebäck verkaufen. Für 2-3 Euro könnt ihr ein Frühstück für die ganze Gruppe zusammenstellen. Kauft auf einem der Märkte lokalen Käse, Wurst und Obst ein – die Preise sind so niedrig, dass ihr zweimal hinschauen werdet.
Verborgene Ecken und Winterstimmung
Abseits der Hauptattraktionen entfaltet Veliko Tarnovo seinen wahren Zauber in den kleinen Momenten. Schlendert durch das Viertel Varosha, wo sich traditionelle Häuser an die Hänge schmiegen und verwinkelte Gassen zu unerwarteten Aussichtspunkten führen. Im Januar, wenn der frühe Abend die Stadt in bläuliches Licht taucht und die ersten Laternen angehen, fühlt sich ein Spaziergang hier an wie eine Zeitreise.
Die Kirche der Vierzig Märtyrer am Flussufer ist einen Besuch wert – der Eintritt ist günstig oder manchmal sogar frei, und die mittelalterlichen Fresken erzählen Geschichten aus einer Zeit, als Veliko Tarnovo das kulturelle Zentrum des Balkans war. Bei frostigen Temperaturen habt ihr die Kirche oft für euch allein, was eine fast meditative Atmosphäre schafft.
Abende mit Freunden gestalten
Nach einem Tag voller Erkundungen locken die kleinen Kneipen und Bars in der Altstadt. Bulgarischer Wein ist erstaunlich gut und kostet ein Glas etwa 2 Euro. Die lokale Biermarke bekommt ihr für noch weniger, und die gemütlichen Räume mit ihren Holzöfen oder Kaminen sind perfekt, um den Tag Revue passieren zu lassen. Anders als in vielen Touristenstädten wirkt nichts aufgesetzt – ihr sitzt zwischen Einheimischen, die nach der Arbeit ihr Feierabendbier trinken.
Wenn ihr Lust auf etwas Besonderes habt, organisieren manche Lokale am Wochenende Live-Musik mit traditionellen bulgarischen Klängen. Der Eintritt ist meist frei oder kostet nur wenige Euro, und die Atmosphäre ist authentisch und einladend.
Praktische Hinweise für euren Trip
Die Währung in Bulgarien ist der Lew, wobei etwa 2 Lew einem Euro entsprechen. Geldautomaten sind überall verfügbar, aber es lohnt sich, etwas Bargeld dabei zu haben, da nicht alle kleinen Geschäfte Karten akzeptieren. Ein Budget von 30-40 Euro pro Person und Tag reicht völlig aus, um komfortabel zu leben, gutes Essen zu genießen und alle Sehenswürdigkeiten zu besuchen – mit Unterkunft kommt ihr auf etwa 60-80 Euro für ein komplettes Wochenende.
Die Anreise erfolgt meist über Sofia, von wo aus Busse regelmäßig nach Veliko Tarnovo fahren. Die dreistündige Fahrt kostet um die 10 Euro und bietet unterwegs schöne Ausblicke auf die winterliche Landschaft. Plant eure Ankunft für Freitagabend und die Abreise für Sonntagabend, um das Wochenende voll auszunutzen.
Packt auf jeden Fall warme Kleidung in Schichten ein. Die Temperaturen können tagsüber knapp über null liegen, fühlen sich aber durch den Wind kälter an. Wasserdichte Schuhe mit griffiger Sohle sind Gold wert, und eine wiederverwendbare Thermoskanne für heißen Tee oder Kaffee erweist sich als ständiger Begleiter. Ein kleiner Rucksack für Tagesausflüge, in dem ihr Snacks, Wasser und eine Powerbank für eure Handys transportiert, vervollständigt die Ausrüstung.
Veliko Tarnovo im Januar ist ein Erlebnis für Freunde, die authentische Reisemomente über Instagram-perfekte Strände stellen. Die Stadt fordert euch mit ihrer Topografie heraus, belohnt euch aber mit atemberaubenden Ausblicken, faszinierender Geschichte und Preisen, die es ermöglichen, länger zu bleiben oder öfter zu reisen. Es ist genau die Art von Wochenendtrip, über den man noch Monate später spricht – nicht wegen überwältigenden Luxus, sondern wegen echter Entdeckungen und gemeinsamer Abenteuer in einer Stadt, die noch nicht vom Massentourismus vereinnahmt wurde.
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