Junge Frettchen durchlaufen in ihren ersten Lebenswochen eine besonders kritische Phase, die über ihre gesamte weitere Gesundheit entscheidet. Nach etwa acht Wochen werden die kleinen Raubtiere von ihrer Mutter getrennt und ziehen in ihr neues Zuhause. Viele erfahrene Züchter empfehlen jedoch, die Geschwister noch einige Wochen länger zusammenzulassen – idealerweise bis zur zwölften Lebenswoche. Je länger die jungen Frettchen zusammenbleiben, desto besser entwickeln sich ihre sozialen Fähigkeiten und ihr Verhalten im späteren Leben.
In dieser Zeit ist ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift, was sie besonders anfällig für Infektionskrankheiten macht. Die maternalen Antikörper, die sie über die Muttermilch erhalten haben, bauen sich schrittweise ab – genau in jenem Zeitfenster, in dem der eigene Immunschutz noch nicht ausreichend entwickelt ist. Diese immunologische Lücke macht Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen zu einer wichtigen Grundlage für die Gesundheit. Gleichzeitig befindet sich das junge Frettchen in einer prägenden Lebensphase, in der eine sorgfältige Betreuung den Grundstein für ein langes, gesundes Leben legt.
Impfungen und tierärztliche Erstuntersuchung
Die erste tierärztliche Untersuchung sollte zwischen der sechsten und achten Lebenswoche erfolgen. Dabei werden die Welpen nicht nur geimpft, sondern auch entwurmt und auf mögliche Gesundheitsprobleme untersucht. Diese frühe Kontrolle ist besonders wichtig, da Jungtiere aus unseriösen Zuchten oder Tierhandlungen häufig unter Kokzidien, Giardien oder Wurmbefall leiden. Unbehandelt führen diese Parasiten zu lebensbedrohlichem Durchfall und Dehydrierung.
Die Staupe-Impfung gehört zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen für junge Frettchen. Diese virale Erkrankung verläuft bei Frettchen besonders schwer und endet meist tödlich. Das Virus greift das Nervensystem, die Atemwege und den Verdauungstrakt an. Besonders heimtückisch ist, dass das Virus über Schuhe, Kleidung oder andere Haustiere ins Haus getragen werden kann – selbst reine Wohnungsfrettchen sind daher gefährdet.
Die Tollwutimpfung wird ab der zwölften Lebenswoche durchgeführt und ist in vielen Regionen gesetzlich vorgeschrieben. Obwohl Deutschland seit 2008 als tollwutfrei gilt, besteht bei Auslandsreisen oder Kontakt zu Wildtieren ein Restrisiko. Rechtlich bedeutsam ist, dass ein nicht gegen Tollwut geimpftes Frettchen nach einem Beißvorfall eingeschläfert werden kann, selbst wenn kein konkreter Tollwutverdacht besteht.
Weitere wichtige Gesundheitschecks
Bei der ersten Untersuchung kontrolliert der Tierarzt auch den Zahnstatus der Jungtiere. Die Milchzähne erscheinen bereits mit zehn bis vierzehn Tagen nach der Geburt. Der Zahnwechsel beginnt dann in der siebten Lebenswoche. Eine frühe Kontrolle hilft dabei, mögliche Probleme rechtzeitig zu erkennen und späteren Komplikationen vorzubeugen.
Die Ohren sollten ebenfalls gründlich untersucht werden. Ohrmilbenbefall ist bei Frettchen weit verbreitet und wird durch intensives Kopfschütteln und dunklen, krümeligen Ohrenschmalz sichtbar. Eine zeitnahe Behandlung verhindert chronische Entzündungen und Schmerzen.
Regelmäßige Gewichtskontrollen dokumentieren, ob sich das Jungtier normal entwickelt. Nimmt das junge Frettchen ab oder bleibt die Gewichtszunahme aus, kann dies ein Hinweis auf Parasitenbefall oder andere gesundheitliche Probleme sein. In solchen Fällen muss möglicherweise zugefüttert oder die Ernährung angepasst werden.
Ernährung in der Wachstumsphase
Frettchen sind obligate Fleischfresser mit einem extrem kurzen Verdauungstrakt, der auf die Verwertung tierischer Proteine und Fette spezialisiert ist. Ihre Nahrung muss hochwertig und proteinreich sein, um den Anforderungen der Wachstumsphase gerecht zu werden. Ab dem einundzwanzigsten Lebenstag können den Jungtieren erste Zufütterungen angeboten werden. Welpenbrei eignet sich als Ergänzung zur Muttermilch und erleichtert die schrittweise Umstellung auf feste Nahrung. Diese Phase der Entwöhnung sollte behutsam erfolgen, damit sich der Verdauungstrakt langsam an die neue Nahrung anpassen kann.

Spezielles Frettchenfutter sollte an erster Stelle Fleisch oder Fleischmehl aufführen. Die ersten Zutaten sollten überwiegend tierischen Ursprungs sein. Getreide, Mais, Reis oder Erbsenprotein deuten auf minderwertige Qualität hin und entsprechen nicht den natürlichen Ernährungsbedürfnissen dieser kleinen Raubtiere. Viele Halter greifen zu Katzenfutter, doch dieses enthält häufig zu viele pflanzliche Bestandteile und Kohlenhydrate. Frettchen können Kohlenhydrate nur schlecht verdauen, was langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen kann.
Barfen beim Frettchen: Artgerecht, aber anspruchsvoll
Die Rohfütterung kommt der natürlichen Ernährung am nächsten. Ganze Beutetiere wie Eintagsküken, Mäuse oder Wachteln liefern alle essentiellen Nährstoffe in optimaler Zusammensetzung. Diese Fütterungsmethode erfordert jedoch Sachverstand, besonders bei Jungtieren. Wer auf reines Muskelfleisch setzt, ohne Knochen und Innereien zu ergänzen, riskiert Mangelerscheinungen. Die Leber liefert wichtige Vitamine, die Nieren bringen Mineralstoffe, und rohe fleischige Knochen sorgen für Kalzium und natürliche Zahnpflege.
Supplementierung und wichtige Nährstoffe
Bei hochwertiger Fütterung kann die Gabe von Fischöl sinnvoll sein. Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren unterstützen die Gehirnentwicklung, reduzieren Entzündungen und fördern ein glänzendes Fell. Besonders Lachsöl wird von Frettchen gut akzeptiert und kann in geringen Mengen über das Futter gegeben werden. Hochwertige Öle sollten mit Vitamin E stabilisiert sein, um Oxidation zu verhindern. Bei selbst zusammengestellten Rationen ist eine tierärztliche Beratung zur Supplementierung sinnvoll, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Häufige Ernährungsfehler vermeiden
Unregelmäßige Fütterungszeiten setzen jungen Frettchen zu. In der Natur fressen diese kleinen Raubtiere mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Eine konstante Verfügbarkeit von Futter entspricht ihren natürlichen Bedürfnissen und unterstützt einen stabilen Stoffwechsel. Obst, Gemüse und zuckerhaltige Snacks haben in der Frettchenernährung nichts zu suchen. Der kurze Verdauungstrakt ist nicht auf pflanzliche Nahrung ausgelegt. Auch Leckerlis auf Getreidebasis oder Milchprodukte sind ungeeignet und können langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.
Die Rolle des spezialisierten Tierarztes
Nicht jeder Tierarzt verfügt über ausreichende Kenntnisse in der Frettchenmedizin. Die Suche nach einem frettchenerfahrenen Veterinär sollte bereits vor der Anschaffung erfolgen. Diese Spezialisten erkennen artspezifische Erkrankungen früh und können individuell angepasste Empfehlungen zur Haltung und Ernährung geben. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen ermöglichen es, Entwicklungsstörungen rechtzeitig zu erkennen. Zunächst sind engmaschigere Kontrollen sinnvoll, später reichen halbjährliche Untersuchungen aus.
Die Investition in präventive tierärztliche Betreuung und artgerechte Ernährung zahlt sich langfristig aus. Gesund aufgewachsene Frettchen erreichen ein Alter von acht bis zehn Jahren und bleiben dabei bis ins hohe Alter aktiv und lebensfroh. Die ersten Monate entscheiden maßgeblich über die spätere Lebensqualität – eine aufmerksame und sachkundige Betreuung legt den Grundstein für viele gemeinsame Jahre voller Freude und Gesundheit.
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